
Von Termiten, verwechseltem Nachwuchs und
einem Grenzbeamten
Meja Mwangi: "Das Buschbaby", Peter Hammer Verlag,
Wuppertal 2007, 318 Seiten
Beim neusten Roman des kenianischen Schriftstellers Meja
Mwangi kommen die Leser voll auf ihre Kosten. Wie immer
erzählt Meja Mwangi in "Buschbaby" von traditionellen
Vorstellungen und vermeintlichen Bräuchen seiner Heimat und
diesmal auch über die Fremden. Sehr genau sieht er die
Schwächen und Ungereimtheiten, doch immer schildert er die
Fehler seiner Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.
Es ist zurzeit sehr in vogue, von einem Erfolg eine
Fortsetzungsreihe zu schaffen, sei es bei Büchern oder bei
Filmen. Den neusten Roman des kenianischen Schriftstellers
Meja Mwangi, "Das Buschbaby" gäbe es nicht ohne seine
vorherigen "Happy Valley". Doch ist "Das Buschbaby" nicht die
Fortsetzung sondern die Parallelhandlung zu "Happy Valley".
Wir erinnern uns, in "Happy Valley" muss Chief Toma Tomei
endlich einen Sohn vorweisen, um in den Ältestenrat
aufgenommen zu werden. Als seine Frau Grace dann endlich im
Buschkrankenhaus ein Baby zur Welt bringt, ist er sehr glücklich,
dass es ein Junge ist, doch dann sieht er das Kind - es ist weiß
mit grünen Augen. Am Ende stellt sich heraus, dass das Baby
verwechselt worden ist mit demjenigen von Fremden, die in der
gleichen stockfinsteren Nacht im Kreissaal des
Buschkrankenhauses waren.
Mit dem Roman "Das Buschbaby" wechselt der kenianische Autor
die Perspektive. Im Mittelpunkt stehen nicht afrikanische Sitten
und Gebräuche, sondern das nicht minder merkwürdig
anmutende Verhalten eines amerikanischen Ehepaars.
Kimberley ist Entomologin und ihr gesamtes Interesse gilt der
Erforschung von Termiten und ihrer wissenschaftlichen Karriere.
Ihr Ehemann Ruben ist Fotograf und träumt davon, Regisseur zu
werden, doch bei seiner resoluten Frau bekommt er kein Bein an
die Erde, sondern muss unzählige Fotos von Termiten in
jeglicher Form und von der Forschungsstätte mitten in der
afrikanischen Wüste Chalbi schießen.
Als Kimberley ungewollt schwanger wird - Kraft Hexerei? - will
das Ehepaar zur Entbindung nach Nairobi fahren. Aber Ruben
verfährt sich hoffnungslos und so kommt das Kind im
Buschkrankenhaus zur Welt. Die Weiterfahrt endet nachts an
einem Schlagbaum einer völlig vergessenen Grenzstation. Der
dort tätige Beamte sieht endlich wieder einen Sinn in seiner
Aufgabe und als dann am nächsten Morgen alle völlig erstaunt
feststellen, dass der Säugling schwarz ist, steht der Fall für den
Grenzbeamten fest. Es kann sich nur um Kinderschmuggel
handeln. So setzt er das amerikanische Ehepaar auf
unbestimmte Zeit fest.
In Rückblenden erfährt der Leser vieles über das Leben der
forschungsbesessenen Kimberley und ihres rührenden aber
wenig erfolgreichen Ehemanns Ruben. Nicht weniger skurril und
anrührend ist die Geschichte des Grenzbeamten, der seit Jahren
von den tansanischen Behörden vergessen worden ist und
seiner kinderlosen Frau. Freundschaftsbande entspinnen sich
zwischen den beiden Männern und Frauen, Kimberley findet eine
neue Termitenart und die Frau des Grenzbeamten hat endlich
einen Säugling, um den sie sich kümmern kann.
Doch die Regenzeit naht und droht Kimberley's Forschungsstätte
in der Wüste zu zerstören. So flieht das amerikanische Ehepaar
schließlich, verirrt sich erneut, nur um wieder im
Buschkrankenhaus zu landen, um dann endlich im Happy Valley
die Verwechselung aufzuklären.
Doch keine Angst, auch wer "Happy Valley" nicht gelesen hat,
kommt bei dem neuen Roman voll auf seine Kosten. Die
Geschichte des "Buschbabys" ist in sich rund und
abgeschlossen. Wie immer erzählt Meja Mwangi mit einem
Augenzwinkern über traditionelle Vorstellungen und
vermeintliche Bräuche seiner Heimat und diesmal auch über die
Fremden. Sehr genau sieht er die Schwächen und
Ungereimtheiten, doch immer schildert er die Fehler seiner
Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.
Der Kreis schließt sich in beiden Büchern mit dem Rücktausch der
beiden Babys. Ende gut - alles gut? Doch dass das Leben uns
allen gern ein Schippchen schlägt - diese Pointe kann sich Meja
Mwangi nicht verkneifen und so entlässt er seine Leser wieder
einmal mit einem vergnügten Schmunzeln.
Der Autor wurde 1948 in Nanuyuki in Kenia geboren. Er arbeitet
in Kenia, Europa und auch in Westafrika und hat als freier
Schriftsteller und Drehbuchautor diverse Auszeichnungen
erhalten, unter anderem den deutschen Jugendliteraturpreis.
Rezensiert von Birgit Koß
Meja Mwangi Das Buschbaby
Aus dem Englischen von Thomas Brückner.
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2007, 318 Seiten ,
19,90 Euro














Ein verschlafenes Nest an den Hängen der Aberdare-
Berge im nachkolonialen Kenia. Der neureiche
Großgrundbesitzer rühmt sich, „der Vater allen Geldes"
zu sein - Baba Pesa. Brutal und rücksichtslos hat er es
verstanden, alles Land im weiten Umkreis aufzukaufen -
nur Baba Baru, sein nächster Nochbar, arm und ganz in
der alten Tradition verhaftet, wagt es, sich ihm zu
widersetzen.
Judo Pesa, der „ungeratene Sohn" von Baba Pesa, ist als
Aussteiger von der Universität ins Dorf zurückgekehrt, ist
ständig betrunken, führt philosophische Zwiegespräche
mit seinem Hund Konfuzius und hält auf dem Markt
flammende Reden an die Bauern über das Anlegen von
Vorratshäusern, den richtigen Umgang mit dem Land und
den Bau von Latrinen.
In seinem Vater, der von seinem Sohn enttäuscht ist und
ihn verachtet, sieht Juda die Verkörperung dessen, was
die Armut und das Elend der einfachen Menschen
ausmacht. Liebenswert und aufrichtig erklärt sich Juda
bereit, das Schulmädchen Margaret, Tochter der Barus,
zu heiraten, die von seinem Vater, Baba Pesa, verführt
wurde und ein Kind erwartet. Der Regen in jenem Jahr
bleibt zu lange aus, als jedoch trotzdem gepflügt werden
muß, liegen Pesas Traktoren still, weil es aufgrund der
Ölkrise kein Dieselöl mehr gibt. Die Barus indessen
ziehen von Hand den Pflug über ihre Felder, weil Pesa
mit seinem Kleinlaster ihren einzigen Ochsen überfahren
hat. „Angezogen von dem unerklärlichen Band, das alle
Männer, die in der Erde ihre Mutter sehen, zu Brüdern
macht", holt Pesa sein „Gottesgeschenk", den Mercedes,
und hilft den Barus, ihr Land zu pflügen... Hoffnung im
Leid - in diesem mit viel Witz und afrikanischem Humor
geschriebenen Buch gelingt es Meja Mwangi, durch sein
tiefes Verständnis für das, was Menschen motiviert, und
durch die Kraft der Menschlichkeit in seinen Charakteren,
nicht Hoffnungslosigkeit angesichts der drängenden
Probleme seines Landes zu hinterlassen, sondern neue
Hoffnung zu wecken.
Jack Rivers, weltbekannter amerikanischer Popsänger und
Menschenfreund mit Helfersyndrom, hat die Rettung
Afrikas auf seine Fahnen geschrieben.
Mit einem LKW-Konvoi macht er sich daran, auf illegalem
Wege Hilfsgüter in das von einer Militärdiktatur
beherrschte Land Arakan (man assoziiert Äthiopien) zu
transportieren. Der Plan ist zum Scheitern verurteilt: Das
Militärregime benutzt den Hilfskonvoi dazu, einen
Waffenhändler auffliegen zu lassen, andere sind bestrebt,
Waffen an die Guerilla zu verkaufen. Der Konflikt
dramatisiert sich, als Jack Rivers eine Liebesbeziehung mit
der Guerillaführerin Zahai eingeht...
Meja Mwangi deckt in seinem Roman nicht nur Sinn und
Unsinn von Katastrophenhilfe auf. Äußerst spannend und
karikierend zeichnet er ein Bild des modernen Heldentums,
das auf keiner der beiden Seiten wirklich existiert.
So sind Charaktere entstanden, die sich im grausamen
Umfeld von Krieg und Gewalt zurechtfinden müssen und
die Aufmerksamkeit des Lesers bis zu ihrem letztlichen
Scheitern zu fesseln vermögen, gleichzeitig aber auch
genug Raum geben, über die Frage, wie funktionierende
Hilfe für Afrika aussehen müfite, weiter nachzudenken.

Peter Hammer Verlag
Toma Tomei aus Happy Valley hat die besten
Chancen, Chief seines Clans zu werden. Doch eines
muss zuvor gelingen: Seine Frau Grace muss nach
neun Töchtern endlich einen Sohn gebären!
In der Nacht, als Grace ihr zehntes Kind zur Welt
bringt, fällt der alte Generator im Busch-Hospital
endgültig aus und als die Ereignisse in Finsternis
getaucht sind, tritt eine gewisse Verwirrung ein.
Nun ist das Baby, das die Krankenschwester dem
aufgeregten Vater am nächsten Morgen zeigt,
tatsächlich ein Junge - doch ist der Säugling weiß und
hat grüne Augen! Toma Tomei ist verzweifelt. Grace
und die neun Töchter aber lieben den jungen.
Toma Tomei sucht den Hexer Muti auf. Muti jedoch hat
zwei Auftraggeber: Außer für Toma Tomei ist er auch
für dessen Widersacher Old Noah im Einsatz, der
ebenfalls auf das Amt des Chief aus ist. Es scheint für
beide Kunden das Beste, das weiße Baby aus der
Welt zu schaffen.
Doch Grace ist eine kluge Frau und sie schützt den
Jungen mit den Katzenaugen vor allem Übel. Wie am
Ende ihr leibliches Kind zu ihr findet und wie sich das
auf Toma Tomeis ehrgeizige Pläne auswirkt, ist eine
verzwickte und überaus komische Geschichte.
Liebevolle Aufmerksamkeit und große Achtung findet
Meja Mwangi einmal mehr für die eigentlichen Helden
der afrikanischen Gesellschaft: die Frauen.
Ein Dorf in Afrika stirbt, die Seuche Aids frißt die Menschen auf. Die von der Verwaltung beauftragte Sozialarbeiterin Janet hat einen schweren Stand. Die »Kondomfrau« ist zuständig für Familienplanung und Aidsprävention. Zutiefst von ihrem Standpunkt überzeugt, kämpft sie gegen die Zustände an. »Janet hatte eine Menge über die Männer von Crossroads zu sagen, und sie tat dies mit soviel Zurückhaltung wie ein wildes Buschfeuer.« Und so wird sie von den Männern ausgelacht und gefürchtet, die Frauen sind verunsichert. Die Scbulbehörde und der Gemeindepfarrer versagen jede Unterstützung. Zuweilen verläßt Janet der Mut. Broker, der Mann, den sie geliebt hat, hat sie verlassen. Der tägliche Kampf gegen die Ignoranz wird zum Alptraum.
Doch mit der Zeit findet Janet Verbündete, und erste Erfolge stellen sich ein. Schließlich kehrt auch Broker zurück und kämpft auf originelle Weise um ihr Vertrauen. Ein Roman, in dem sich das brutale Thema Aids in einer dörflichen afrikanischen Gesellschaft ebenso darstellt wie Liebe, Zärtlichkeit und Solidarität.
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Happy Valley Peter Hammer Verlag 2006
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Die Termitenforscherin Kimberly, eine kühle, karrierebe-wusste Amerikanerin und ihr Ehemann Rüben fahren mit ihrem gerade entbundenen Säugling durch die tansanische Nacht nach Hause. Urplötzlich stehen sie vor einem Schlagbaum. Der gehört zu einer Grenzstation, die abstruser Weise mitten im Land steht.
Hier entdeckt Kimberly im ersten Licht des Tages schockiert, dass das Baby, das die Krankenschwester für sie in Tücher gewickelt hat, schwarz ist! Als Forodha, der überaus eifrige Grenzposten, das Baby entdeckt, steht für ihn fest, dass er es mit Menschenschmuggel zu tun hat. Forodha — den die Regierung nie darüber informiert hat, dass die Grenzen seit Jahren anderswo verlaufen - ist froh, dass er wieder eine Aufgabe hat und setzt die Familie auf unbestimmte Zeit fest. Der Autor weiß die Wartezeit zu nutzen: Im Haus des Grenzposten entwickelt sich ein so interessantes wie witziges Kammerspiel, das die Klischees von Schwarzen und Weißen, Männern und Frauen gehörig durcheinanderwirbelt!
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