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Am späten Nachmittag fuhren sie nach Manyani hinein, einen
staubigen, fliegenverseuchten kleinen Ort, der seine nackte Existenz
dem Highway zwischen Mombasa und Nairobi verdankte. Er bestand
lediglich aus einer Ansammlung baufälliger Hütten, die sich in der
kargen Landschaft wie eine Herde verängstigter Rehe
zusammendrängten, am Leben gehalten nur vom internationalen
Fernverkehr, den Sattelschleppern und Tanklastzügen, die hier ihren
ersten nächtlichen Zwischenstopp auf dem langen Weg nach
Kampala und Kigali einlegten.
Der staubbedeckte Landrover rollte langsam über die mit
Schlaglöchern übersäte, schmutzige Hauptstraße und hielt vor der
Tankstelle mit einer einzigen Zapfsäule an. Der Tankwart rappelte
sich aus dem Schatten eines Baumes hinter der Tankstelle hoch, wo
er vor der sengenden Hitze Schutz gesucht hatte. Er sah aus, als
könnte er gleich tot umfallen.
»Voll, bitte«, sagte Kimathi und gab ihm die Schlüssel.
Der Tankwart schlafwandelte zum Heck des Landrover und begann,
Benzin in den Tank zu füllen. Es gab keine Elektrizität am Ort,
deshalb musste der Sprit per Hand gepumpt werden. Kimathi
beobachtete, wie der Mann sich durch die Gegend schleppte, und
konnte nicht anders, als ihn zu bemitleiden. Manche Leute können ihr
ganzes Leben an einem Ort zubringen, ohne sich daran zu
gewöhnen.
Es dauerte beinahe fünf Minuten, den Tank zu füllen. Kimathi
bezahlte und nahm die Quittung in Empfang. Von hier aus fuhr er
zum Faruda General Store, dem größten und blühendsten Laden in
Manyani.
»Gib mir zehn Minuten«, sagte er zu Frank, während er ausstieg.
»Viel Glück«, wünschte ihm der.
Im Laden war es kühl. Ein paar Kunden warteten darauf, dass sie an
die Reihe kamen. Sofia Faruda stand hinter der Theke und tat ihr
Bestes, alle freundlich und gut zu bedienen.
Sie war zwanzig, hochgewachsen, schlank und sehr hübsch, ohne
übertrieben viel daraus zu machen. Sie hatte ein sanftes, ovales
Gesicht und große, freimütige Augen, die Offenheit und Vertrauen
ausstrahlten. Als sie Kimathi den Laden betreten sah, leuchteten ihre
Augen kurz auf, dann blickte sie sich ängstlich um. Sie bediente einen
Kunden, der ein Päckchen Tee und zwei Kerzen kaufte.
Kimathi schlenderte ans Ende der langen Theke und betrachtete die
ausliegenden Artikel. Der Laden war gut bestückt und die Waren
stapelten sich in den Regalen bis zur Decke.
Als der letzte Kunde gegangen war, lief Sofia hinter der Theke auf
Kimathi zu und warf im Vorübereilen einen schnellen Blick durch einen
Spalt in dem Vorhang, der einen Durchgang zum Hinterzimmer des
Ladens verdeckte.
»Er ist da«, flüsterte sie. »Wenn er dich hier sieht...«
»Ich muss mit dir reden«, sagte Kimathi unterdrückt.
»Es gibt nichts zu bereden«, antwortete sie.
»Wer sagt das?« Kimathi hob eigensinnig die Stimme.
»Nicht so laut!«, sagte sie. »Wir haben das doch alles schon
durchgesprochen. Es ist hoffnungslos.«
»Nein, das ist es nicht«, meinte er. »Du denkst nur ...«
»Er will nicht, dass ich mich mit dir treffe«, sagte sie.
»Und wie steht's mit dir?«, fragte Kimathi. »Willst du mich auch nicht
mehr sehen, niemals?«
Sie biss sich auf die Unterlippe und warf einen nervösen Seiten-blick
zur offenen Tür zum Hinterzimmer.
»Ach Johnny«, rief sie. »Was kann ich denn tun? Er ist mein Vater.
Ich bin so durcheinander.«
Er griff über den Tresen und sie legte ihre Hand in seine. Sie fühlte
sich warm und weich an. Es war, als ob ein Funke zwischen ihnen
bersprang. »Ich will dich sehen«, sagte er heiser.
Sie schüttelte hilflos den Kopf.
»Schweigend saßen sie da und sahen zu, wie der Tag
anbrach, gefangen von jenem magischen Augenblick
der Savanne, wenn die Finsternis zu Licht zerschmilzt.
Dies war Wildererland, ungezähmt und einsam.
Sobald die Wilderer ein Fahrzeug oder einen
Helikopter sahen, konnten sie wie Chamäleons mit
der Savanne verschmelzen, völlig eins werden mit der
Natur. Aus der Luft waren sie nicht zu entdecken. Der
einzige Weg, sie zu fassen, war der
Überraschungsangriff.«
Ist der Griff der Mafia auf Kenia noch zu stoppen? Die
beiden Ranger Kimathi und Burkell nehmen den
Kampf mit den Wilderern auf und erkennen, dass
deren Hintermänner nicht nur hinter Elfenbein her
sind.
Meja Mwangi, einer der markantesten Schriftsteller
Afrikas, zeigt einmal mehr, was für ein mitreißender
Erzähler er ist.
»Die Geschichte ist packend geschrieben und
ausgezeichnet übersetzt. Nicht bloss der Inhalt ist ein
Genuss, sondern auch die sorgfältige Sprache. Keine
Selbstverständlichkeit mehr heutzutage.« Informell,
Mitteilungen der evangelischen Werke für die
Kirchgemeinden
»Rau und eckig als Spannungsschmöker erzählt, zeigt
er den Kampf im Busch als kenianische Realität, das
Stadtleben als Illusion: wer nicht mit der Waffe
umgehen kann, wird hier Beute.« Stuttgarter
Zeltung
Die Wilderer Unions Verlag 2001 ISBN 9 783293 202184
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